TM-30 bei LED Beleuchtung: Rf, Rg und Farbvektorgrafik erklärt
TM-30 ist ein Verfahren zur differenzierten Bewertung der Farbwiedergabe von Lichtquellen. Bei LED Beleuchtung werden dafür insbesondere der Fidelity Index Rf, der Gamut Index Rg und die TM-30-Farbvektorgrafik betrachtet.
Während der allgemeine Farbwiedergabeindex CRI beziehungsweise Ra die durchschnittliche Wiedergabe von acht Testfarben zusammenfasst, wertet TM-30 insgesamt 99 Farbauswertungsmuster aus. Dadurch lässt sich nicht nur die mittlere Farbtreue beurteilen, sondern auch erkennen, ob Farben stärker oder schwächer gesättigt erscheinen und in welchen Farbbereichen Verschiebungen auftreten.
Definition
Was ist TM-30?
TM-30 ist eine Methode zur Bewertung der Farbwiedergabe einer Lichtquelle anhand von 99 Farbauswertungsmustern.
Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören der Fidelity Index Rf für die mittlere Farbtreue, der Gamut Index Rg für die durchschnittliche Veränderung des Farbumfangs und eine Farbvektorgrafik zur Darstellung von Farbton- und Sättigungsverschiebungen in einzelnen Farbbereichen.
Was bedeuten Rf und Rg bei TM-30?
Die wichtigsten Kennwerte von TM-30 sind der Fidelity Index Rf und der Gamut Index Rg. Rf beschreibt die durchschnittliche Farbtreue gegenüber der Referenzlichtquelle. Rg zeigt, ob Farben im Durchschnitt stärker oder schwächer gesättigt wiedergegeben werden.
- Rf-Wert Mittlere Farbtreue bewerten Der Fidelity Index Rf wird aus 99 Farbauswertungsmustern ermittelt und kann Werte bis 100 erreichen. Je höher der Rf-Wert, desto geringer sind die durchschnittlichen Farbabweichungen gegenüber der Referenzlichtquelle.
- Rg-Wert Veränderung des Farbumfangs einordnen Der Gamut Index Rg beschreibt die durchschnittliche Veränderung der Farbsättigung. Rg 100 bedeutet einen ähnlichen mittleren Farbumfang wie bei der Referenz, Werte über 100 weisen auf eine stärkere und Werte unter 100 auf eine schwächere durchschnittliche Sättigung hin.
- Rf und Rg Beide TM-30-Werte gemeinsam betrachten Ein hoher Rg-Wert ist nicht automatisch besser, da eine überhöhte Farbsättigung ebenfalls von der Referenz abweicht. Erst die gemeinsame Bewertung von Rf, Rg und Farbvektorgrafik zeigt, wie eine Lichtquelle Farben tatsächlich verändert.
Typische Kombinationen von TM-30 Rf und Rg lassen sich folgendermaßen einordnen:
| Rf- und Rg-Kombination | Grundsätzliche Einordnung | Was zusätzlich geprüft werden sollte |
|---|---|---|
| Hoher Rf, Rg nahe 100 | Geringe durchschnittliche Farbabweichungen und ein ähnlicher mittlerer Farbumfang wie bei der Referenz. | Farbvektorgrafik auf Verschiebungen einzelner Farbbereiche prüfen. |
| Hoher Rf, Rg über 100 | Hohe mittlere Farbtreue bei gleichzeitig etwas stärkerer durchschnittlicher Farbsättigung. | Prüfen, welche Farben stärker gesättigt erscheinen und ob dies zur Anwendung passt. |
| Niedrigerer Rf, Rg unter 100 | Größere durchschnittliche Farbabweichungen und eine insgesamt schwächere Farbsättigung. | Betroffene Farbbereiche und Anforderungen der Sehaufgabe genauer bewerten. |
Rf und Rg sind keine Qualitätsnoten, die unabhängig voneinander maximiert werden sollten. Welche TM-30-Werte geeignet sind, hängt von der gewünschten Farbtreue, der beabsichtigten Farbsättigung und der konkreten Anwendung ab.
Wie liest man die TM-30-Farbvektorgrafik?
Die TM-30-Farbvektorgrafik, auch Color Vector Graphic genannt, zeigt, in welchen Farbbereichen eine Lichtquelle Farbton oder Farbsättigung gegenüber der Referenzlichtquelle verändert. Dafür wird der Farbkreis in 16 Farbbereiche unterteilt und die Farbwiedergabe der Testlichtquelle mit der Referenz verglichen.
- Referenz Referenzlinie als Vergleich verwenden Die Referenzform zeigt, wie die 16 Farbbereiche unter der zur Lichtquelle passenden Referenz dargestellt werden. Die Form der untersuchten Lichtquelle wird darübergelegt und macht Abweichungen sichtbar.
- Außerhalb Stärkere Farbsättigung erkennen Liegt die Form der Testlichtquelle in einem Farbbereich außerhalb der Referenzlinie, erscheinen die betreffenden Farben stärker gesättigt. Das bedeutet nicht automatisch eine bessere oder natürlichere Farbwiedergabe.
- Innerhalb Schwächere Farbsättigung erkennen Verläuft die Form innerhalb der Referenzlinie, werden die Farben in diesem Bereich durchschnittlich weniger gesättigt dargestellt. Sie können dadurch blasser oder weniger kräftig erscheinen.
- Verschiebung Veränderungen des Farbtons beurteilen Seitliche Verschiebungen zwischen Test- und Referenzform weisen auf eine Veränderung des Farbtons hin. So lässt sich erkennen, ob ein Farbbereich beispielsweise stärker in Richtung eines benachbarten Farbtons verschoben wird.
Die Farbvektorgrafik ergänzt die TM-30-Werte Rf und Rg um eine räumliche Darstellung der Farbveränderungen. Zwei LED Lichtquellen können ähnliche Rf- und Rg-Werte besitzen, aber in einzelnen Farbbereichen deutlich unterschiedliche Sättigungs- oder Farbtonverschiebungen zeigen.
Was ist der Unterschied zwischen TM-30, CRI, Ra und R9?
TM-30, CRI, Ra und R9 bewerten unterschiedliche Aspekte der Farbwiedergabe. Der allgemeine Ra-Wert liefert eine kompakte Durchschnittsbewertung, R9 betrachtet gezielt einen gesättigten Rotton und TM-30 beschreibt Farbtreue, Farbsättigung und Veränderungen einzelner Farbbereiche wesentlich differenzierter.
Die wichtigsten Kennwerte zur Farbwiedergabe von LED Lichtquellen im Vergleich:
| Verfahren oder Kennwert | Bewertungsgrundlage | Zentrale Aussage |
|---|---|---|
| CRI | Übergeordnete Methode zur Bewertung der Farbwiedergabe im Vergleich zu einer Referenzlichtquelle. | Der Begriff wird häufig allgemein für den angegebenen Farbwiedergabewert einer Lichtquelle verwendet. |
| Ra | Arithmetischer Mittelwert der acht Testfarben R1 bis R8. | Beschreibt die durchschnittliche Farbwiedergabe überwiegend wenig gesättigter Farben mit einem einzelnen Wert. |
| R9 | Einzelbewertung der gesättigten roten Testfarbe TCS09. | Zeigt, wie stark ein gesättigter Rotton gegenüber der Referenz verändert erscheint. Weitere Informationen erklärt der Beitrag zum R9-Wert bei LED Leuchten. |
| TM-30 Rf | Mittlere Farbtreue auf Grundlage von 99 Farbauswertungsmustern. | Bewertet die durchschnittliche Größe der Farbabweichungen gegenüber der Referenzlichtquelle. |
| TM-30 Rg | Vergleich des mittleren Farbumfangs der Testlichtquelle mit der Referenz. | Zeigt, ob Farben durchschnittlich stärker oder schwächer gesättigt wiedergegeben werden. |
| Farbvektorgrafik | Darstellung von Farbton- und Sättigungsverschiebungen in 16 Farbbereichen. | Macht sichtbar, in welchen Bereichen Farben verändert, verstärkt oder abgeschwächt erscheinen. |
TM-30 und CRI sind nicht direkt über einzelne Zahlenwerte gleichzusetzen. Ein Rf-Wert von 90 entspricht nicht automatisch einem Ra-Wert von 90. Für eine belastbare Bewertung sollten das jeweils verwendete Verfahren und die vollständigen Kennwerte betrachtet werden.
Häufige Fragen zu TM-30, Rf und Rg
Was ist TM-30 bei LED Beleuchtung?
TM-30 ist ein Verfahren zur differenzierten Bewertung der Farbwiedergabe einer Lichtquelle. Es nutzt 99 Farbauswertungsmuster und liefert unter anderem den Fidelity Index Rf, den Gamut Index Rg und eine Farbvektorgrafik für einzelne Farbbereiche.
Was bedeutet der Rf-Wert bei TM-30?
Der Rf-Wert beschreibt die mittlere Farbtreue einer Lichtquelle gegenüber der passenden Referenzlichtquelle. Rf kann Werte bis 100 erreichen. Je höher der Fidelity Index ausfällt, desto geringer sind die durchschnittlichen Farbabweichungen der 99 Farbauswertungsmuster.
Was ist ein guter Rf-Wert?
Ein hoher Rf-Wert weist auf geringe durchschnittliche Farbabweichungen hin. Welcher Wert als geeignet gilt, hängt jedoch von der Anwendung ab. Rf sollte nicht isoliert bewertet werden, sondern gemeinsam mit Rg, der Farbvektorgrafik und den Anforderungen an einzelne Farbbereiche.
Was bedeutet der Rg-Wert bei TM-30?
Der Gamut Index Rg beschreibt die durchschnittliche Veränderung des Farbumfangs gegenüber der Referenzlichtquelle. Rg 100 steht für einen ähnlichen mittleren Farbumfang. Werte über 100 weisen auf eine stärkere und Werte unter 100 auf eine schwächere durchschnittliche Farbsättigung hin.
Ist ein Rg-Wert über 100 besser?
Nicht automatisch. Ein Rg-Wert über 100 bedeutet, dass Farben durchschnittlich stärker gesättigt erscheinen als unter der Referenzlichtquelle. Das kann für bestimmte Anwendungen erwünscht sein, stellt aber ebenfalls eine Farbabweichung dar. Entscheidend ist, welche Farbbereiche betroffen sind.
Was zeigt die TM-30-Farbvektorgrafik?
Die TM-30-Farbvektorgrafik zeigt Farbton- und Sättigungsverschiebungen in 16 Farbbereichen. Verläuft die Form außerhalb der Referenz, erscheinen die betreffenden Farben stärker gesättigt. Innerhalb der Referenz werden sie schwächer gesättigt dargestellt. Seitliche Verschiebungen weisen auf Veränderungen des Farbtons hin.
Was ist der Unterschied zwischen TM-30 und CRI?
Der allgemeine Ra-Wert des CRI-Verfahrens wird aus acht Testfarben gebildet und fasst die Farbwiedergabe in einem Wert zusammen. TM-30 verwendet 99 Farbauswertungsmuster und beschreibt mit Rf, Rg und der Farbvektorgrafik zusätzlich Farbsättigung und Veränderungen einzelner Farbbereiche.
Kann man Rf und Rg aus dem CRI-Wert ableiten?
Nein. Rf und Rg lassen sich nicht zuverlässig aus Ra, R9, Kelvin oder anderen einzelnen Angaben berechnen. Zwei LED Lichtquellen mit demselben CRI-Wert können unterschiedliche TM-30-Werte und deutlich verschiedene Farbvektorgrafiken besitzen.
TM-30 und Farbqualität weiter einordnen
Rf, Rg und Farbvektorgrafik gemeinsam bewerten
TM-30 beschreibt die Farbwiedergabe differenzierter als ein einzelner Kennwert. Für eine belastbare Beurteilung sollten der Fidelity Index Rf, der Gamut Index Rg und die Veränderungen einzelner Farbbereiche immer gemeinsam betrachtet werden.
Die technische Grundlage für Farbtreue, Farbsättigung und Farbverschiebungen bildet die spektrale Zusammensetzung des Lichts. Weitere Zusammenhänge erklärt der Beitrag zum Lichtspektrum bei LED Beleuchtung.
Weitere lichttechnische Grundlagen, Kennwerte und Planungshinweise finden Sie im LED Ratgeber. Beispiele professionell umgesetzter Beleuchtungslösungen zeigen unsere LED Projektberichte und Referenzen.
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